Für den Führerschein ist in Österreich ein Erste-Hilfe-Kurs vorgeschrieben. Viele schieben ihn vor sich her, weil sie einen langen, anstrengenden Tag erwarten — dabei ist er für die Klasse B schnell erledigt und im Ernstfall extrem wertvoll. Hier erfährst du, warum der Kurs Pflicht ist, wie lange er wirklich dauert, was du lernst und wann du ihn am besten einplanst.

Warum der Kurs Pflicht ist

Als Verkehrsteilnehmer:in kannst du jederzeit als Erste:r an einer Unfallstelle ankommen. In den entscheidenden Minuten, bis die Rettung eintrifft, kommt es auf dich an. Der Kurs gibt dir die Sicherheit, im Notfall richtig zu handeln, statt aus Unsicherheit gar nichts zu tun.

Genau das ist der Grund, warum der Gesetzgeber den Kurs zur Pflicht gemacht hat: Wer ein Fahrzeug lenkt, soll im Ernstfall helfen können. Die Teilnahme ist außerdem Voraussetzung für die Anmeldung zur Führerscheinprüfung — ohne Nachweis geht es nicht weiter.

Wie lange der Kurs dauert (6 Stunden für Klasse B)

Hier die wichtigste Entlastung gleich vorweg: Für die Klasse B umfasst der Erste-Hilfe-Kurs 6 Stunden, die sogenannte „Unterweisung in lebensrettenden Sofortmaßnahmen“. Das ist ein kurzer Kurs, der an einem einzigen Tag erledigt ist.

Lass dich nicht verwirren: Die oft genannten 16 Stunden gelten NICHT für die Klasse B — sie betreffen nur die Bus-Klassen (D/DE). Für deinen Pkw-Führerschein reichen die 6 Stunden. Ein weiterer angenehmer Punkt: Diese Bescheinigung hat kein Ablaufdatum. Einmal absolviert, musst du den Kurs für den B-Schein nicht erneut machen.

Was gelernt wird

Die Inhalte sind praxisnah und leichter, als viele befürchten. Typischerweise lernst du:

  • die Unfallstelle absichern (Warnblinker, Warnweste, Warndreieck),
  • den Notruf richtig absetzen — in Österreich die Rettung 144 oder den Euronotruf 112,
  • die stabile Seitenlage für bewusstlose, aber atmende Personen,
  • die Wiederbelebung (HLW) mit Herzdruckmassage,
  • den Umgang mit Wunden und Schock.

Vieles davon übst du direkt an Übungspuppen und mit anderen Teilnehmer:innen. Das nimmt die Hemmung und gibt dir ein Gefühl dafür, wie sich die Handgriffe anfühlen.

💡 Tipp: Geh ohne Prüfungsangst hin — beim Erste-Hilfe-Kurs gibt es keine Prüfung im klassischen Sinn. Es geht ums Mitmachen und Ausprobieren, nicht um Noten.

So läuft ein Kurstag ab

Damit du weißt, was auf dich zukommt: Ein typischer Kurstag für die Klasse B beginnt mit einer lockeren Vorstellungsrunde und einer kurzen Einführung. Niemand erwartet Vorwissen — die Trainer:innen holen alle Teilnehmer:innen genau dort ab, wo sie stehen.

Danach geht es Schritt für Schritt durch die wichtigsten Szenarien. Oft wird ein typischer Verkehrsunfall durchgespielt: Wie sichere ich die Unfallstelle? Wie spreche ich eine verletzte Person an? Wann setze ich den Notruf ab? Zwischendurch übst du immer wieder selbst — an der Puppe, mit Verbandsmaterial oder im Rollenspiel mit anderen Teilnehmer:innen. Pausen sind eingeplant, und der Ton ist meist entspannt und praxisnah.

Der rote Faden durch den ganzen Tag ist eine einfache Handlungskette, die du dir gut merken kannst: absichern – Notruf 144/112 – helfen.

Absichern

Bevor du hilfst, sorgst du für deine eigene Sicherheit und die der anderen. Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen — erst dann näherst du dich der Unfallstelle. Niemandem ist geholfen, wenn du selbst zur verletzten Person wirst.

Notruf 144/112

Setze den Notruf ruhig und klar ab. In Österreich erreichst du die Rettung unter 144, alternativ den Euronotruf 112. Wichtig sind der Ort, was passiert ist und wie viele Personen betroffen sind. Du musst nicht alles auswendig können — die Leitstelle führt dich mit Fragen durch das Gespräch.

Helfen

Jetzt kümmerst du dich um die betroffene Person. Zwei Handgriffe stehen im Mittelpunkt des Kurses:

  • Die stabile Seitenlage für Menschen, die bewusstlos sind, aber noch normal atmen. Sie sorgt dafür, dass die Atemwege frei bleiben.
  • Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW), wenn keine normale Atmung mehr vorhanden ist. Hier gilt der Rhythmus 30:2 — 30 Mal kräftig in der Mitte des Brustkorbs drücken, dann zwei Mal beatmen. Im Kurs geht es vor allem darum, ein Gefühl für den Ablauf zu bekommen; im Ernstfall zählt jede Hilfe.

Wenn du Angst hast, etwas falsch zu machen

Diese Sorge ist völlig normal — und genau deshalb gibt es den Kurs. Die wichtigste Botschaft vorweg: Der einzige echte Fehler ist, gar nicht zu helfen. Wer im Ernstfall handelt, kann fast nichts falsch machen, was die Lage schlimmer macht. Selbst eine nicht perfekte Herzdruckmassage ist besser als keine.

Im Kurs darfst du genau diese Hemmung abbauen. Du probierst die Handgriffe in ruhiger Umgebung aus, stellst Fragen und merkst, dass die meisten Maßnahmen einfacher sind, als sie klingen. Dieses Sicherheitsgefühl ist der eigentliche Wert des Tages — weit über den Führerschein hinaus.

Wann du ihn am besten machst

Erledige den Kurs früh in deiner Ausbildung. Da er für die Prüfungsanmeldung benötigt wird, vermeidest du so unnötigen Zeitdruck am Ende. Wer den Nachweis schon in der Tasche hat, kann sich entspannt auf Theorie und Praxis konzentrieren.

Buche frühzeitig einen Termin, denn beliebte Tage — etwa am Wochenende — sind oft schnell ausgebucht.

Wo du den Kurs buchst und wie er in die Anmeldung passt

Anbieter gibt es in ganz Österreich, sodass du fast überall einen Termin in der Nähe findest. Dazu zählen unter anderem:

  • das Rote Kreuz,
  • der Arbeiter-Samariter-Bund (ASBÖ),
  • der Samariterbund,
  • das Grüne Kreuz,
  • die Johanniter (JUH).

Viele dieser Organisationen bieten den 6-stündigen Kurs für die Klasse B regelmäßig an — oft an einem einzigen Tag, manchmal auch am Wochenende. Buche frühzeitig, denn die beliebten Termine sind schnell vergeben. Die genauen Konditionen, Preise und Termine können sich ändern — frag am besten direkt bei deiner Fahrschule oder einer dieser Organisationen nach.

In den zeitlichen Ablauf deiner Führerschein-Ausbildung passt der Kurs ganz einfach: Da der Nachweis Voraussetzung für die Anmeldung zur Prüfung ist, erledigst du ihn am besten gleich am Anfang, parallel zu Theorie und ersten Fahrstunden. Weil die Bescheinigung kein Ablaufdatum hat, kannst du sie ganz entspannt früh in der Tasche haben und musst am Ende nicht mehr daran denken. So hast du einen wichtigen Baustein deines Führerscheins schnell und sicher abgehakt.

Die Theorie übst du parallel kostenlos bei losfahr.at — so kommst du Schritt für Schritt voran.